Konya in der Türkei: Eine Stadt zwischen Antike und Moderne

Wer den Glanz antiker Kulturen erleben möchte, sollte eine Reise in die alten Metropolen unternehmen. Doch dafür bieten sich nicht nur Rom und Athen an. Auch der türkische Ort Konya blickt auf eine lange Geschichte, die das Erbe der heute sehr modern und europäisch ausgeprägten Stadt bildet. Insbesondere Kunst, Kultur und Religion gelten als die Säulen dieser einst sehr fortschrittlichen Zivilisation.

Konya: Eintauchen in eine vielfältige Geschichte

Bereits seit zweieinhalb Jahrtausenden existieren die heutige türkische Provinz und ihre Hauptstadt Konya. Beide tragen nicht nur den gleichen Namen, sondern beziehen sich auch auf dieselbe Fläche. Konya ging rund 400 Jahre vor Christi Geburt aus der antiken Metropole Ikonion hervor, in den folgenden Epochen waren vor allem römische und später auch griechische Einflüsse erkennbar – von denen heute aber wenig zu sehen ist. Gemeinsam mit einigen anderen türkischen Städten erwarb sich Konya einen Namen als Basis römischer Kämpfer, die von hier zu Angriffen und Beutezügen in die gesamte Ägäis aufbrachen.

Wie reichhaltig und vielfältig die Geschichte des Ortes ausfällt, lässt sich daher heute noch an bunt verzierten und handwerklich erstklassig gefertigten Funden nachweisen. Daher lohnt sich für Touristen stets ein Ausflug in das Mevlana-Museum, wo zahlreiche Zeugnisse ausgestellt sind, die von der Antike selbst sowie vom Handel in der Neuzeit mit russischen und vorderasiatischen Städten künden.

Mevlana Museum
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Zentrum des Mevlevi-Ordens

Name und Bedeutung der Stadt Konya waren bereits vor vielen Jahrhunderten weit über die Grenzen der Türkei hinaus bekannt. Immer wieder lockte die Stadt römische, griechische oder persische Machthaber und Wissenschaftler, die hier prägende Jahre verbrachten. So wie der afghanische Gelehrte Rumi, der sein Wissen von Konya aus in aller Welt verbreitete und der seinen Mevlevi-Orden auf diesem türkischen Boden gründete – eine religiöse Strömung, die sich dem Islam zugehörig fühlt.

Für Urlauber ist es daher fast ein Muss, die kreisenden Bewegungen der Tänzer des Ordens zu beobachten, die ihr Schauspiel in weißen Kleidern vorführen. Und die darin einen tiefen spirituellen Sinn sehen, der sie nicht selten in Ekstase versinken lässt. Im Mevlana Cultural Center lässt sich in Erfahrung bringen, wann Urlauber einer solchen Zeremonie beiwohnen können. Übrigens ein willkommener Anlass, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen – denn nur wer Land und Leute kennenlernt, kann derlei Traditionen verstehen.

Mevlana Cultural Center
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Moschee, Mausoleum und Museum als Mittelpunkt der Stadt Konya

Konya, das sich rund 1.200 Meter über dem Meeresspiegel befindet und das mit seinem milden Klima beinahe über das ganze Jahr ideale Bedingungen für Reisende bietet, besitzt seinen Mittelpunkt auf dem höchsten Areal der Stadt. Museum und Moschee sowie das Mausoleum des Ordens-Gründers Rumi liegen dabei sehr nahe beieinander, befinden sich zum Teil sogar im gleichen Gebäude.

Neben der langen Historie des Ortes können sich Gäste hier zugleich über die Religion informieren, die in zweieinhalb Jahrtausenden wohl den größten Einfluss auf die Menschen in Konya ausübte. Zugehörig zum Gesamtkomplex sind ein Friedhof, auf dem heute noch die Gräber bekannter Derwische zu sehen sind – so werden die spirituellen Tänzer genannt, die unter den Bürgern meist ein hohes Ansehen erlangen. Ebenso kann ein Rosengarten besucht werden, dessen Pflanzen über viele Jahrhunderte hinweg gezüchtet wurden und die somit dem Erhalt seltener Arten dienen.

Mausoleums von Mevlana Rumi
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Aus antiken Gebäuden entstanden Museen

Weiter geht es für die Touristen zur Karatay Madrasa. Das mit einem Kuppeldach versehene Bauwerk mit seinem charakteristisch verzierten Portal als Eingang wurde um das Jahr 1250 errichtet – und diente lange Zeit als Lehranstalt für Schüler des Islam. Es wäre indes falsch, dort eine reguläre Schule zu vermuten. Vielmehr versammelten sich hier nur jene Gelehrten des Islam aus der Türkei und dem vorderasiatischen Raum, die es in ihrer Wissenschaft bereits zu einigem Ruhm gebracht hatten.

Eine Besonderheit liegt in den Innenräumen des Gebäudes, die an den Wänden mit reich verzierten Kacheln bestückt waren. Thematisch wurden die Zimmer nach bestimmten Farben eingerichtet – auch damit sollte der Erleuchtung der hier lernenden Schüler geholfen werden. In einem noch immer zur Karatay Madrasa gehörenden Museum können sich Urlauber einige der verbliebenen Fliesen und Wandteppiche ansehen, die selbst nach eintausend Jahren nichts von ihrer Farbenpracht verloren haben.

Karatay Madrasa
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Wunderbare Skulpturen in der Ince Minareli Madrasa

Die Karatay Madrasa ist indes nicht das einzige Gebäude, das nach seiner eigentlichen Nutzung mittlerweile ein Museum beherbergt. Zu ihr gehört die Ince Minareli Madrasa – ein hoher Turm, ursprünglich im 13. Jahrhundert in Form eines Minaretts errichtet, der jedoch in den Anfängen des 20. Jahrhunderts bei einem Blitzeinschlag nahezu vollständig zerstört und anschließend abermals aufgebaut wurde. Er diente einst dem hiesigen Mevlevi-Orden und anderen Religionsanhängern als Ort der täglichen Gebete.

In seinen Hallen lassen sich noch immer einige der eben erwähnten Kacheln an den Wänden finden. Die Innenräume dienen heute indes als Ausstellungsort für Skulpturen, Vasen, Münzen, Holzschnitzereien sowie Alltagsgegenstände. Viele von ihnen galten für Jahrhunderte als verschollen und wurden erst in den letzten Dekaden von Archäologen aus dem Meer und dem Erdboden geborgen. Auch damit wird das reiche Erbe Konyas belegt und für die Zukunft bewahrt.

Ince Minareli Medrese
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Der Meram-Park in Konya verschafft ein wenig Entspannung

Nicht ganz anderthalb Millionen Einwohner weist Konya auf, die Zahl ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Gerade im Frühjahr und im Sommer gilt der Ort allerdings gerne einmal als Ziel der Touristen, die neben Kunst und Kultur vornehmlich den Stadtkern, seine Spiritualität und die damit verbundene Mystik erkunden wollen. Wem es im Zentrum mit seinen zuweilen etwas klobig wirkenden Backsteinhäusern daher etwas zu eng wird, der findet im Meram-Park eine kleine Oase, in der Ruhe und neue Kraft geschöpft werden können.

Die vielen Grünflächen und die kreativ angelegten Beete sind einen Abstecher auf jeden Fall wert, die Auswahl der gezeigten Pflanzen und Blumen dürfte fast einmalig sein. Da rings um den Park mehrere Hotels errichtet wurden, bietet sich das gesamte Gebiet als grünes Zentrum für viele Reisende an, die von hier in ihre täglichen Ausflüge starten – und die den Abend gemütlich in dem gartenähnlichen Ambiente ausklingen lassen.

park in konya
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Ein Besuch auf dem Basar

Im Gegensatz zur Tradition anderer türkischer Städte besitzt Konya keinen großen Marktplatz, auf dem das gesellschaftliche Leben stattfindet und auf dem Waren gehandelt werden. Vielmehr verfügt die Stadt über mehrere kleine Basare, die unterschiedliche Lebensmittel und Alltagsgüter zum Kauf anbieten. Wie fast immer im Orient, so lohnt es sich auch hier, die reiche Auswahl an Gewürzen zu begutachten – nicht selten ergibt sich daraus ein wahres Fest für die Sinne.

Darüber hinaus warten Teppiche, Kleidung, Handwerkskunst sowie regional angebautes Obst und Gemüse zu kleinen Preisen auf Interessenten. Meist haben sich die Basare übrigens dort angesiedelt, wo bereits gut besuchte Restaurants etabliert sind. In ihnen finden Besucher vor allem die traditionelle türkische Küche vor, die sich jedoch vor kulinarischen Einflüssen aus dem gesamten Mittelmeerraum nicht scheut. Neben Fleisch werden daher oftmals Fisch, Brot, Getreidespeisen und relativ süße Weine gereicht.

basar in konya
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Die nahe Umgebung von Konya erkunden

Rund um Konya wurden über die Jahrhunderte mehrere kleine Dörfer errichtet. Dazu gehört der Ort Sille, der heute auf kaum 2.000 Einwohner blickt. Vermeintlich wenig Glanz für eine der größten Weihestätten, die die griechisch-orthodoxe Kirche einst kannte und die hier einen ihrer Tempel erbaute. Tatsächlich lebten bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hinein in Sille neben türkischen auch überdurchschnittlich viele griechische Menschen. Ihre Landessprache war unter den Bürgern bekannt und wurde häufig verwendet.

Abermals geht die Verbindung zwischen Konya und Sille auf den bereits erwähnten Gelehrten Rumi zurück, der sich für den Frieden zwischen Türken und Griechen einsetzte. Das Dorf lohnt sich aufgrund seiner antiken religiösen Gebäude stets für einen Ausflug, zumal in der ländlichen Region auch viele Höfe und Wirte ihre Waren und Speisen aus heimischem Anbau zum Verkauf anbieten. Die hier gelegenen Felder überzeugen in der warmen Jahreszeit mit einer wunderbaren Mischung unterschiedlichster Farben, während sich durch grüne Wiesen ein malerischer Bach schlängelt.

Sille
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Der Schmetterlingsgarten als Abschluss der Reise

Anfang und Ende eines jeden touristischen Ausflugs wollen stets gut überlegt sein. Doch wer seine Reise in Konya am oder im Meram-Park startet, der kann sie idealerweise im Schmetterlingsgarten ausklingen lassen. Auch dort bieten sich dem Besucher viele eintausend unterschiedliche Gewächse, von kleinen Kräutern, Gräsern und Farnen bis hin zu großen Bäumen und Palmen. Die eigentliche Attraktion stellen aber die tierischen Bewohner dar: Wunderbare Schmetterlinge aus aller Welt, die mit leuchtenden Farben und intensiven Mustern ihren einmaligen Charme versprühen.

In einem zum Park gehörenden Gebäude können zudem zahlreiche Insekten bestaunt werden – viele von ihnen sind in der Natur bereits ausgestorben. Doch es verhält sich bei ihnen wie mit der gesamten Stadt: Wer in die Pracht früherer Tage eintauchen möchte, muss nach Konya kommen, um längst vergangene Zeiten aufleben zu lassen – und dabei doch das moderne Flair einer europäischen Großstadt zu genießen, die ihre Gäste willkommen heißt.