Pailón del Diablo in Baños: Spektakulär und spirituell

In Ecuadors zentraler Sierra, rund 60 Kilometer östlich von Ambato, erwartet Südamerikareisende eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit. Die Pailón del Diablo in Baños ist einer der spektakulären Wasserfälle in Südamerika, der in einem Atemzug mit den Cataratas del Iguazú genannt wird. Diese Kaskaden sind optisch spektakulär und bieten zudem ein einzigartiges spirituelles Erlebnis.

Attraktionen von Baños bis zur Pailón del Diablo

Die nächstgelegene Stadt ist Baños, gut 15 Kilometer westlich der Teufelsfälle. Auf dem Weg zu den Kaskaden passieren Besucher den Agoyan Wasserfall, der mit einer Seilbahn überspannt ist. Am Rio Blanco wird Rafting angeboten und der Mega Adventure Park Río Blanco sorgt mit unterhaltsamen Fahrgeschäften für reichlich Spaß. Die Cascada Manto de la Novia sind ein beliebtes Ziel bei Radsportlern, die vorzugsweise am Becken der Wasserfälle ein Picknick inmitten der Natur genießen. Größte Attraktion der Region ist aber die vom Rio Verde gespeiste Pailón del Diablo.

Erlebnisreicher Weg vom Rio Verde

Der fast einen Kilometer lange Aufstieg von der Stadt Río Verde ins Innere der Natur beginnt mit einem Weg durch dichte Wälder, die sich auf sanften Hügeln gebildet haben. In dem Gebiet kreuzen sich mehrere ökologische Wanderwege und es gibt Quellen, aus denen das kühle Nass beinahe Trinkwasserqualität hat. Zudem erhalten Wanderer einen guten Eindruck darüber, welche typische Flora und Fauna hier beheimatet sind. Zu den zahlreichen Vogelarten gehört der orangefarbene Felsenhahn, der mit seiner fächerförmigen Haube und den schwarzen Flügelspitzen leicht identifizierbar ist.

weg von rio verde
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Eine Pracht für sich sind die vielfältigen Orchideen, die üppig in den Baumwipfeln gedeihen, weshalb es angebracht ist, ein Fernglas mitzunehmen. Der Weg bis zum Fuße der Pailón del Diablo ist gut begehbar und sorgsam befestigt. Die Gemeindemitglieder haben selbst Erdstufen an den Hügeln angelegt, die das Erreichen der Wasserfälle deutlich erleichtern. Übrigens führt einer dieser Waldwege zur Statue der Jungfrau von El Panecillo, die auf einem Hügel thront und höher ist als der weltbekannte Christus der Erlöser in Rio de Janeiro in Brasilien.

Pailón del Diablo: Ein Stück vom Himmel

El Pailón del Diablo in Baños ist ein Ort der Gegensätze. Anfangs waren die Kaskaden nur durch eine waghalsige Kletterpartie erreichbar. Inzwischen wurden Wege mit Steinen des Vulkans ausgelegt, die aus dem Fluss geborgen wurden. Auch mit diesen angelegten und gut befestigten Wegen ist es ratsam, bequeme Kleidung und festes Schuhwerk zu tragen. Die Wege sind nicht nur befestigt, sondern zusätzlich mehrsprachig beschildert und es gibt an kritischen Punkten Steighilfen.

Die Fälle umweht ein Hauch von Abenteuer. Es gibt einen schluchtartigen Treppenaufstieg, der nur gebückt zu bewältigen ist, weil er teils durch einen höhlenartigen Durchgang führt. Einige steile Treppen wurden aus dem Felsgestein geschlagen und es finden sich Balkone, die in schwindelerregender Höhe wie ans Kliff geklebt sind. Vom letzten dieser Balkone können Besucher ihre Hände in die herabfallenden Wassermassen halten und so die Urgewalt der Pailón del Diablo körperlich fühlen. Zudem spüren die Besucher die ungeheure Kraft der Fälle, denn diese lassen den Boden beben, was bis in den Magen spürbar ist. Einige Besucher nutzen die Balkone, um ein Duschbad unter dem Wasserfall zu genießen, was ein unvergessliches Erlebnis ist.

Luzifers Wasserfälle

Diese mächtigen Kaskaden wurden nicht wegen der unbändigen Kraft dem König der Dunkelheit gewidmet. Die Wasserfälle gelten bei den Einheimischen als spiritueller Ort, an dem das Böse für jedermanns Augen sichtbar wird. Der Legende folgend, müssen Besucher nur lang genug auf die Gischt und die dahinter schemenhaft zu erkennenden Felsen blicken, um deutlich Luzifers Gesicht sehen zu können. Satans Antlitz bildet sich aus den Felsen und streckt sich frech aus dem 80 Meter tiefen Wasserfall hervor, behaupten die Menschen in der Sierra Central. Die Pailón del Diablo, die Säule des Teufels, trägt ihren Namen auch, weil die zentrale Kaskade tatsächlich wie eine Säule aus Wasser und Sprühnebel mit gewaltiger Kraft in die Tiefe schießt.

Pailon del Diablo Hängebrücke
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Dass die Pailón del Diablo in Baños seit sehr langer Zeit ein kraftvoller und intensiv spiritueller Ort ist, beweisen die Funde der Historiker. Durch diese historischen Artefakte wurden die Wasserfälle zu einer beliebten Attraktion, vor allem, weil sie ein Zentrum der Inka-Verehrung waren. Bereits die indigenen Könige besuchten häufig die Kaskaden, um neue Energie zu tanken und um hier mit ihren bevorzugten Göttern in Kontakt zu treten.

Zur richtigen Tageszeit die Pailón del Diablo besuchen

Die Pailón del Diablo erscheinen nicht immer gleich. Im Morgenlicht wirken die Fälle harmonisch, beinahe romantisch und weniger gewaltig. Sobald sich am späten Nachmittag das Abendrot bildet, sind die Pailón del Diablo einfach nur noch bezaubernd. Farbige Lichter bringen Leben in den Ort und lassen die Wasserfalle bei intensivem Abendrot fast wie einen Lavastrom aussehen. Um die Mittagszeit kreieren die Sonne und der Wasserfall kleine Regenbogen. Das Licht reflektiert in den feinen Tropfen und die Wassernebel brechen das Sonnenlicht, das sich dann in den Farben des Regenbogens auf den feuchten Felsen spiegelt.

Den Besuch richtig planen

Die engen Treppenaufstiege und die kleinen Balkone bieten Platz für täglich maximal rund 600 Besucher. Deshalb ist es wenig ratsam, an Feiertagen und Wochenenden eine Tour zu den Wasserfällen zu planen. Sind zu viele Besucher vor Ort, steht jedem nur eine knapp bemessene Zeit auf den Balkonen zur Verfügung. Die optimale Besuchszeit ist deshalb wochentags und soweit möglich früh am Morgen. Zur Ausrüstung gehören festes Schuhwerk, bequeme Kleidung, Trinkwasser und ein paar Energieriegel. Eine Kamera und ein Fernglas sind die perfekte Ergänzung des Reisegepäcks.