Fiji / Suva – Auf der Suche nach dem Paradies

Traumstrand Fidschi

Fiji – Das verbinden die meisten Reisenden und Nichtreisenden wohl mit einer Inselgruppe irgendwo in der Südsee. Ja, da fliegen verliebte Flitterwöchner hin, die dann in Hängematten unter Palmen am schneeweißen, endlosen Sandstrand liegen und unter einer Palme liegend mit einem Strohhalm den letzten Schluck aus einer Kokosnuss schlürfen. Im Hintergrund sieht man ein verliebtes Paar im Sonnenuntergang dinnieren, während ihre Füße von der Gischt des Meeres umspült werden. „Prost Schatz! A toast to paradies!“. Und all dies geschieht während die Einheimischen fröhlich in bunten Kleidern und Frangipaniblumen im Haar vor ihren Bambushütten singen und tanzen. Träumt nur weiter…

Aber was ist das hier?

Ich befinde mich in Suva, der Hauptstadt der Hauptinsel Viti Levu.
Von dem Klischee eines paradiesischen Südseetraumes lässt sich hier weit und breit nichts erahnen. Stattdessen regnet es Tag ein, Tag aus. Und am Straßenrand vermischt sich das Rinnsal aus Abwasser mit einer dicken Ölschicht. Es ist laut, dreckig und stinkt.
Ist der Südseetraum von Fiji am Ende etwa schon ausgeträumt?

dreckiges suva
Die Fiji-Fassade bröckelt

Entschuldigen Sie bitte, wo is´n hier schön?

Ich halte das für eine berechtigte Frage. Schließlich bin ich nicht ohne Grund über 1400 Seemeilen per Segelschiff angereist, um nun meine Kokosnuss in einem Café an einer dreckigen, lärmenden Hauptstraße zu genießen, während im Hintergrund weder getanzt wird noch die Sonne den Horizont küsst, sondern graue Betonhäuser in den Himmel ragen.

cafe-suva
Bar in Suva

Aber so schnell werde ich selbstverständlich nicht aufgeben. Immerhin besteht die Inselgruppe Fijis aus 333 kleineren und größeren Inseln, von denen etwa 110 bewohnt sind. Irgendwo muss es hier doch schön sein. Mit ,schön` assoziiere ich die weißen Sandstrände, die Palmen und Kokosnüsse, die Hängematten und das türkisfarbene, glasklare Wasser.

Der Markt in Suva

Meine Suche führt mich erst einmal über den großen Markt Suvas, der mir von den Einheimischen empfohlen wird. Hier herrscht ein lebhaftes, buntes Treiben. Exotische Früchte und Gemüse in allen bunten Farben liegen dem Vorbeigehenden in selbstgeflochtenen Körben aus Palmenblättern vor den Markthändlern bereit. Von einem Regentag wie diesem, lassen sich die Verkäufer keineswegs ihr freundliches Gemüt vertreiben. Sie spannen einfach ein buntes Schirmchen über ihren Köpfen auf oder stülpen sich kurzerhand eine Plastiktüte über.

Hier und dort wird  ein  Baby gestillt oder entspannt Kava getrunken. Dieses Pfeffergewächs gilt hier als Nationalgetränk und wird meist pulverisiert mit einer entspannenden, rauschartigen Wirkung genossen. Aber natürlich auch bei religiösen oder kulturellen Anlässen konsumiert. Das Kavapulver sollte man hier einfach im Gepäck haben, ob als Gastgeschenk bei einem Dorfbesuch, oder schlicht zum eigenen Verzehr.

Kava - Fidschis Nationalgetränk
Kava - Fijis Nationalgetränk

Das große Herz der Fijianer

Mein erster Eindruck über die einheimische Bevölkerung Fijis ist überaus positiv. Die Fijianer sind unglaublich herzlich und interessiert. Von allen Seiten grüßen einen Jung und Alt mit einem überschwänglichen Lächeln und lauten „Bula, bula!“, was übersetzt „Hallo“ bedeutet. Ob im bloßen Vorbeigehen auf der Straße, in der Warteschlange am Busbahnhof oder im Supermarkt, es heißen einen die Fijianer so herzlich willkommen, dass ich schon fast an dieser Freundlichkeit zweifeln könnte.
Auf ein Händeschütteln folgt meist die Frage, wo man her kommt, wohin man geht und wie einem Fiji gefällt. Anfänglich hinderte mich meine Skepsis noch daran, ebenso freundlich auf die Menschen zuzugehen. Warum sind hier alle so freundlich? Warum grüßen einen alle Menschen auf der Straße, die sich selbst gegenseitig nicht grüßen? Gilt der ,Weiße` noch immer als Wohlhabender, zu dem man stets freundlich sein muss? Das kann nicht sein, denn schließlich sehen wir als Backpacker zum Teil schon arg verlumpt aus, in unseren ewig nicht mehr gewaschenen Klamotten. Da stimmt doch etwas nicht, grüble ich noch. Doch am Ende muss ich mir eingestehen: Die Fijianer sind einfach verdammt herzlich! Ohne Hintergedanken, ohne sonstige Absichten. Anscheinend sind sie wahrlich daran interessiert, was so viele Touristen auf ihre Inseln treibt. Nicht selten wird einem die Hand gegeben und auf einen Besuch oder gemeinsamen Rundgang durch das einheimische Dorf eingeladen. Ich bin beeindruckt von dieser Herzlichkeit. Aber natürlich gibt es auch jene, die sich als hilfsbereite Reiseleiter anbieten, ja gar aufschwätzen und am Ende ein sattes Sümmchen dafür verlangen.

privater Reiseführer in Suva
nette Menschen auf Fiji

Sehenwürdigkeiten in Suva?

Größere Sehenswürdigkeit wird man in der Hauptstadt Suva eher vermissen, abgesehen von einem Park und einem Museum. Es lohnt sich durch einige der vielen kleinen Gässchen der Nebenstraßen zu bummeln, auf einer Bank Platz zu nehmen und dem bunten Treiben der Einheimischen zuzusehen. Die großen Kaufhäuser der Innenstadt reizen meine Neugier nicht sonderlich. Ebenso erweckt der Hafen Suvas alles andere als den Wunsch, ein Bad im Meer zu nehmen. Eine dicke Ölschicht liegt auf der Wasseroberfläche.

Und dies soll das Paradies auf Erden sein?

Nein, wenn man schon einmal in der Südsee angelangt ist, dann wünscht man sich Sonne, Strand und Palmen, statt ewigen Grau- in Grau des Himmels, der auch die Farbe des Meeres trübt. Das bunte Bild vom Paradies wandelt sich. Mit dem Regen scheinen alle bunten Farben weggespült zu werden. So langsam sehnt sich auch mein Freund und liebster Reisebegleiter danach, weiter zu ziehen. Und so begeben wir uns weiter auf die Suche, nach dem Paradies. Raus aus Suva!

By | 2017-07-03T15:57:25+00:00 23. Okt 2016|

22 Kommentare

  1. Kuno 25. Oktober 2016 um 10:10 Uhr- Antworten

    😀 sehr cooler Beitrag! Ich musste fast durchgehend schmunzeln. Schöner kann man einem gar nicht von einem Ort abraten 😉

  2. Alex 25. Oktober 2016 um 11:09 Uhr- Antworten

    Sehr interessant – Fiji steht zwar irgendwo auf meiner Liste mit Reisezielen, aber nicht ganz oben, obwohl ich gar nicht mal sagen könnte, wieso. Jetzt denke ich mir gerade…nein. Obwohl ich auch ganz andere Bilder gesehen habe, vermutlich einfach von anderen Inseln. Mal sehen, was ich daraus so mache 😀 Aber wirklich gut geschrieben 🙂

  3. Monika and Petar Fuchs 25. Oktober 2016 um 13:08 Uhr- Antworten

    “Das Paradies” ist immer so eine Sache! Superlative wie diese wecken extrem hohe Erwartungen, die vor Ort dann selten erfüllt werden können. Ein guter Artikel!

  4. Annika 25. Oktober 2016 um 19:26 Uhr- Antworten

    Hey ihr 2!
    Die Fiji Inseln sind einfach so unheimlich weit weg… und wenn man dann noch nicht mal das erwartete Paradies dort findet…hmmm… ob sich der Weg dann so lohnt?
    Oder habt ihr das Paradies doch noch woanders gefunden?
    LG Annika

  5. Sabine 25. Oktober 2016 um 22:06 Uhr- Antworten

    Ein wunderbar erfrischender und ehrlicher Bericht! Mir gefällt auch, wie du deine anfänglich Skepsis gegenüber der Freundlichkeit beschreibst. Man glaubt heute kaum noch, dass Menschen einfach freundlich sind-ohne Hintergedanken. Ich bin gespannt wie die reise weitergeht.
    Herzliche Grüße
    Sabine

  6. Orange Diamond Blog 25. Oktober 2016 um 22:40 Uhr- Antworten

    Nach deinem Einstiegsbild habe ich eine wunderschöne Kulisse erwartet stattdessen lese ich diesen Bericht aus einer anderen Perspektive-so real und gut geschrieben. Soll ich jetzt schreiben, dass ich die Kokosnüsse auf den blau-weiß-schwarzen Süßigkeiten nicht mehr sehen mag? Natürlich nicht! Mein Traum darf nicht zerstört werden!

    Liebe Grüße,
    Alex.

  7. Marion 25. Oktober 2016 um 22:50 Uhr- Antworten

    Ich hoffe, Ihr habt das Paradies dann doch noch gefunden 😉
    Auch wenn Suva dem nicht entspricht, wirkt es irgendwie sympathisch…
    Liebe Grüße,
    Marion

  8. Katharina 26. Oktober 2016 um 5:45 Uhr- Antworten

    Das nenne ich mal eine charmant-ehrliche ReiseEntpfehlung… Die Bilder sehen wirklich trist aus. Da hat euch das Paradies wohl auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Allerdings hoffe ich, dass sich die Traumkulisse einfach auf einer der 332 anderen Inseln versteckt hatte… ?
    Liebe Grüße
    Katharina

  9. Robert 26. Oktober 2016 um 18:29 Uhr- Antworten

    Moin moin,
    Ach ja, die berühmt berüchtigten grauen Betonpilze die überall in den hoch gepriesenen “Urlaubsparadiesen” aus dem Boden sprießen. Ich mache da mittlerweile nen Bogen rum und genieße die Umgebung drumrum. Ich liebe euer zum Post dazugehörendes Video, vor allem aufgrund eures sympatischen Humors.Danke dafür! 🙂
    Liebe Grüße

  10. Ina 26. Oktober 2016 um 19:10 Uhr- Antworten

    Danke für den ehrlichen und unterhaltsamen Bericht. So liegen Realität und Erwartungen halt doch manchmal etwas auseinander. Aber trotzdem klingt Suva für mich sehr interessant und spannend. Es ist vielleicht nicht das Paradies, aber die Realität der Bewohner von Fiji und nicht das Urlaubsgesicht der Inselgruppe – wobei das auch toll sein muß.
    Und ist es nicht schade, daß man mittlerweile freundlichen Menschen gegenüber skeptisch ist?
    LG Ina

  11. Janet 26. Oktober 2016 um 19:13 Uhr- Antworten

    Mal ein etwas anderer Artikel – aber schön! Das lässt einen auch mal ein bisschen darüber nachdenken, was einem immer in Werbung und Co. so verkauft wird. Danke dafür 🙂

  12. Christina von MrsBerry 26. Oktober 2016 um 22:28 Uhr- Antworten

    Fiji steht bisher noch nicht wirklich auf meiner Reiseliste, weil einfach zu weit weg. Gut geschrieben. Schade das es mit dem Paradis nicht ganz so geklappt hat auf Fiji.

    Liebe Grüße
    Christina

  13. Daniela 27. Oktober 2016 um 14:13 Uhr- Antworten

    Schade, ich hätte gerne noch von der Hängematte gelesen. 😉

    Wunderbar ehrlicher Artikel, den ich sehr mag und zeigt, dass nicht immer alles Gold ist, was glänzt. Die Welt ist eben nicht nur Eitel Sonnenschein und darauf sollte man eben auch mal – wie in dieser Form hier – hinweisen. Daumen hoch. Trotzdem wünsche ich euch auch, dass ihr die Hängematte findet. 😉

    LG Daniela

  14. Chris 28. Oktober 2016 um 9:43 Uhr- Antworten

    Das Erwartung und Wirklichkeit beim Reisen nicht immer übereinstimmt mussten wir auch schon des öfteren feststellen. Ihr findet bestimmt noch wonach ihr sucht, wenn nicht dann halt einfach weiterziehen.
    Viele Grüße
    Chris

  15. Nina 28. Oktober 2016 um 16:36 Uhr- Antworten

    Sieh an, Suva. Da war ich 2005. Ich fand es ähnlich wie du, recht trist. Nur damals waren die Leute nicht besonders freundlich,oder nicht freundlicher als sonst wo. Wir wurden nie gegrüßt, wenn ich so recht überlege. Die Strände von der Hauptinsel haben mich auch nicht überzeugt. Insgesamt fand ich Fiji nicht schlecht, aber die megalange Anreise lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Da gibts genug andere Orte, die schöner und leichter zu erreichen sind.

    Vg, Nina

  16. Barbara 28. Oktober 2016 um 19:19 Uhr- Antworten

    Schade, dass es euch dort nicht gefallen hat. Ich war leider noch nie in der Südsee und stelle mir diesen Teil der Welt natürlich auch absolut paradiesisch vor… Jetzt bin ich etwas desillusioniert. LOL!

    Danke für den ehrlichen Beitrag!

    Liebe Grüße
    Barbara

  17. Ralf Falkowski 29. Oktober 2016 um 9:22 Uhr- Antworten

    Herrlich – ich hatte vor kurzem bereits euer Video dazu gesehen und mich schlapp gelacht – Traumhaft gemacht und der Bericht untermauert das nur noch. Sehr erfrischend!

  18. Karin 29. Oktober 2016 um 18:15 Uhr- Antworten

    Wow, wer hätte das gedacht… Ich hätte jetzt auch eher das Paradies erwartet. Hoffe, ihr habt es in der Zwischenzeit gefunden 🙂

    LG Karin

  19. Anita 29. Oktober 2016 um 21:05 Uhr- Antworten

    Toll geschrieben! Fiji klingt zwar wunderbar, aber mich zieht es nicht unbedingt an solche Orte. Und jetzt weiß ich auch warum 😉 LG Anita

  20. Jessica 30. Oktober 2016 um 16:28 Uhr- Antworten

    Diese Freundlichkeit ohne Hintergedanken habe ich in Sri Lanka auch erst kritisch angesehen. Ich wurde aber eines besseren belehrt!

  21. Klaus Reuss 30. Oktober 2016 um 16:36 Uhr- Antworten

    Hallo Helena,
    ja, die Zeiten von James Cook und Bougainville sind wohl vorbei. Und vielleicht hat schon mit ihnen die Zerstörung dieser Paradiese angefangen. Natürlich gibr es sie, diese traumhaften Strände, an denen westlich Touristen für Unsummen von Geld, zumindest im Vergleich zu den Löhnen der Einheimischen, sich der Illusion eines Paradieses hingeben. Und wo die Kultur oft nur noch zu Showveranstaltungen verkommt.
    Sieht so aus, als wäre die Situation in Suva nicht so viel anders als bei uns am Amazonas. Ich verstehe eure Enttäuschung gut, aber ich finde es toll, dass ihr trotzdem auch in der nicht gerade paradiesischen Stadt wart. Und wenn ich euren Bericht so lese, dann glaube ich, dass sich die Leute ehrlich gefreut haben, dass Touristen sich auch für ihre Lebenswirklichkeit interessieren. Und nicht nur für traumhafte Strände. Und vielleicht wiegt das irgendwann eure berechtigtete Enttäuschung auf.
    Liebe Grüße,
    Klaus

  22. Nicolo 31. Oktober 2016 um 19:42 Uhr- Antworten

    Hallo Helena,
    dieser Artikel zeigt mir mal wieder, dass es nicht reicht die Überschriften zu lesen. Ich dachte erst hier geht es um einen klassischen Südsee-Artikel, der über einen paradiesischen Urlaub berichtet. Aber die Fotos, die Du nach dem Strand-Palmen-Wasser-Foto gewählt hast, machten mich stutzig und neugierig.

    Musste bei Deinen Zeilen wirklich schmunzeln, auch wenn es Dir sicherlich vor Ort anders gegangen ist. Finde es gut, dass es auch mal eine andere Sichtweise auf das Paradies der Südsee gibt.

    Lieber Gruß,
    Nicolo

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