Fiji – Ist der Südseetraum ausgeträumt?

Palme auf Fidschi

Nach unserem Aufenthalt in Suva entschlossen wir uns in Fiji an anderen Orten nach dem Paradies zu suchen. Im Süden der Hauptinsel kamen wir dem Paradies schon recht nah. Trotzdem soll die Reise und die Suche nach dem Paradies weitergehen. In Nadi angekommen erwarten uns viel Lärm, Dreck und das übliche hektische Treiben einer größeren Stadt. Fernab des ersehnten Südseefeelings. Allerdings tummeln sich hier viele Einheimische, denen wir gern bei einem Bummel durch die Innenstadt zusehen. Wir entschließen uns dazu, eine Nacht zu bleiben und von hier die Weiterreise zu einer kleinen Insel zu organisieren.

Bamboo Beach

Früh am Morgen weckt mich der laute Gesang eines Mannes. „Good girl! You´ll never see the raiiiin again!“ Es ist alles andere als melodisch, doch bereitet es mir große Freude, diesem Singsang zu lauschen, während ich mich noch einmal zur anderen Seite umdrehe. Es ist schließlich Fijitime!

Abseits dieser angenehmen Töne am Morgen überzeugt uns weder Nadi als Stadt, noch das Backpackhostel Bamboo Beach besonders. Es ist laut, entspricht alles andere als Hygienestandards die man mit „befriedigend“ kategorisieren könnte, doch erhofften die relativ hohen Preise und Fotos etwas anderes vorzufinden. Das Meer lädt hier ebenso wenig zum baden ein. Es ist weder türkis noch kristallklar, wie man es auf den Reiseprospekten sehen kann. Stattdessen ist es braun und auch hier liegt eine dünne Ölschicht auf der Wasseroberfläche. Aus einsamen Strandspaziergängen mit romantischen Sonnenuntergängen werden jene, bei denen man den Gang lieber erhöht, um nicht an jeder freien Stelle seines Körpers von Moskitos zerstochen zu werden oder hinter fast jeder Palme in die leuchtenden Augen eines herum streunernden Hundes zu blicken.

Und das soll nun Fiji sein?

Von Nadi aus kann man sich bequem für ein weiteres Urlaubsziel entscheiden. Hier stehen einem sämtliche Möglichkeiten offen. Zahlreiche Reisebüros, die zudem in fast jedem Backpackerhostel integriert sind, helfen einem gern weiter. Jeder ist hier bemüht, dem Reisenden den Aufenthalt so spektakulär und angenehm wie nur möglich zu gestalten.

Doch für welche der über 330 Inseln soll man sich nun entscheiden?

Die Mamanuca- und Yasawa-Inseln liegen auf der Sonnenseite Fijis. Die meisten Boote starten ihre Überfahrt von Nadi aus. Beliebt ist hier das Inselhopping, bei dem man bequem von einer Insel zur nächsten geschippert wird und einem dort ein paar Tage zur freien Gestaltung zur Verfügung stehen. Doch dafür reicht unser Erspartet nicht mehr aus.

So entscheiden wir uns – wie die meisten Backpacker mit begrenztem Buget,  für eine der preisgünstigsten Insel der Mamanuca-Inselgruppe namens Mana Island. Neben zwei Luxusresorts, besteht diese Insel aus weiteren zwei Backpackerhostels und einem einheimischen Dorf.

Das Ratu Kini Backpackerhostel liegt direkt am Strand und hat eine eigene Tauchschule mit integriert. Ein Paradies für meinen Freund, der schon am nächsten Tag damit beginnt. Wir erreichen unser kleines ‚Baumhaus`. Dort findet sich ein einfaches Bett, eine kalte Dusche was voll und ganz bei solch herrlich warmen Temperaturen ausreicht. Die Bananen wachsen direkt vor der Veranda. Angrenzend befinden sich eine Kirche und eine Schule. Aus nicht allzu weiter Ferne lässt sich die Brandung des Meeres erahnen. Ein Gefühl wunschloser Glückseligkeit überkommt mich.

Ratu Kini's Backpackers and Dive Resort
Ratu Kini's Backpackers and Dive Resort

Ja, hier ist´s schön!

Hier finde ich endlich die ersehnten weißen Sandstrände, die türkisfarbenen Lagunen, die Hängematten zwischen den Palmen, die Kokosnüsse und Fijianer mit Blumen im Haar. Angekommen – im Paradies!

Aber was eigentlich viel faszinierender als jedes Südseeklischee ist, ist das authentische Leben Hand in Hand mit den Einheimischen leben zu können. Selbstverständlich sehen  dich viele lediglich als ,reiche weiße` Touristen, denen sie ihren Schmuck oder eine Verwöhnmassage aufschwatzen wollen (manchmal auch sehr penetrant). Dennoch kann man hier nicht nur urlauben, sondern auch einen hautnahen Einblick in den Lebensalltag der Einheimischen gewinnen.

Mitten im Dorf der Einheimischen ist unser Hostel
Dorfleben Mana Island

Relaxen, Schwimmen, Schnorcheln, Tauchen und einfach nur die Seele baumeln lassen…

Schnorcheln im Paradies
Tauchen in Fiji
Tauchen mit Haien

Am Abend lockt die entspannte Atmosphäre und das bunte Abendprogramm aus Tanz und Musik  nicht nur uns, sondern auch viele Besucher aus den luxuriösen Resorts heran. Schnell finden wir Anschluss bei den Animateuren und Mitarbeitern. Ob allein oder gemeinsam, hier lassen sich die Abende entspannt ausklingen.

Am nächsten Morgen lasse ich mich entspannt in die Hängematte zwischen zwei Palmen nieder. Herrlich, dass ist wahrlich paradiesisch. „Wusstest du, dass mehr Menschen von einer Kokosnuss als vom Blitz erschlagen werden? Oder war das anders herum?“, unterbricht mein Freund die Stille, während er emsig damit beschäftigt ist, eine Kokosnuss zu knacken.

Fijitime - Einfach nur enstpannen

Sonne, Strand und Palmen

– Südseefeeling pur!

Aber daneben darf die Schattenseite der Armut nicht übersehen werden. In den Städten, sowie in den einheimischen Dörfern auf den Inseln – abseits des Massentourismus glänzt hier keine bunte Fassade, sondern die nackte Tatsache, dass dieses Land ebenso von großer Armut geprägt ist. Ich spreche mit einem Einheimischen, der mir erzählt, wie unsagbar dankbar er ist, einen Beruf zu haben. Da spielt es keine Rolle, ob der Job einem sonderlichen Spaß macht, die Hauptsache ist, dass er einen habe und das sei doch das größte Glück. Seine Worte klingen noch lange in mir nach. Wie wahr, und wir wühlen uns stattdessen viel zu oft im Selbstmitleid über Luxusprobleme wie Selbstverwirklichung oder beruflichen Entscheidungsproblemen.

Ebenso fällt mir auf, wie selbstständig die Kinder bereits in jungen Jahren seien müssen. Sie werden weder in Kinderwägen umher geschoben, noch steht ihnen ein breites Repertoire an Spielsachen zur Verfügung. Sie buddeln im Sand, spielen mit Kokosnüssen anstatt Bällen, streunern ein wenig herum und fangen schon früh an, das raue Alltagsleben kennenzulernen. Ein Besuch in der kleinen Dorfschule erweckt den Eindruck, dass hier sehr kreativ und spielerisch gelernt wird. Der Unterricht findet sowohl in den Schulräumen, sowie draußen unter freiem Himmel statt. Oft können wir die wundersamen Töne von unserer kleinen Holzhütte aus hören und ich wünsche mir jedes Mal, dass sie nicht so bald verstummen mögen.

Klassenraum Schule Fidschi
Schulkinder Fiji
Schulmädchen in Fiji

Und was nun?

Doch was macht man hier eigentlich den ganzen Tag auf so einer kleinen Insel, die nur sehr spärlich für das ‚arme Backpackervolk` zugänglich ist? So oft wurden wir bei einem Rundgang über die Insel auf der Suche nach einem neuen Strand höflich aber sehr bestimmt vom Sicherheitspersonal dazu aufgefordert, schnellstens wieder in den Bereich unseres Backpackerhostels zurückzugehen. Jenes Gebiet stehe unter dem Privatbesitz des Luxusresorts. Schade!

Einen Sonnenaufgang haben wir ebenso gesehen, wie die täglichen Sonnenuntergänge über dem Meer. Auf den beiden Aussichtspunkten konnte man die gesamte Insel überblicken und weit darüber hinaus in der Nähe und Ferne weitere kleine und größere Inseln erspähen. Für einen Inselspaziergang reichen 20 Minuten voll und ganz aus, es sei denn, man geht einmal im Kreis. Stunden unter Palmen, in Hängematten und im schneeweißen Sand wurden geträumt, im Wasser geschwommen, geschnorchelt und getaucht. Stunden des Nichttuns, Herumlungerns, Lesens, Malens, die Seele baumeln lassen wechseln sich mit Essen, Trinken, Schlaf und Sex ab. Das abendliche Animationsprogramm wiederholt sich mittlerweile. Man kann auf den ersten Blick fremde von bekannten Gesichtern unterscheiden. Man weiß, wer mit wem in einem Mehrbettzimmer schläft, wer am lautesten schnarcht und wer am längsten in der Früh duscht. Wer in der letzten Nacht mit wem im Bett gelandet ist und eventuell noch landen wird. Spätestens jetzt fällt auf, dass die kleinen Inseln Fijis ein ruhiges Reiseziel zum Ausspannen, Nichtstun und Relaxen sind.

Hmm, und jetzt? – Ein echtes Luxusproblem macht sich breit. Was macht man, wenn man irgendwann vom süßen Nichtstun und Seele baumeln lassen die Nase voll hat? Hier auf der kleinen Insel gibt es für die Besucher weder Internet, was der wahre Luxus ist, noch irgendwelche kulturellen Anziehungspunkte.

Spaß auf Fiji

Die Postkarten wurden geschrieben, die Insel erkundet, das Budget wird knapp und reicht weder lange für Genussmittel, noch für andere Inseln, die in den Augen der Einheimischen eh alle gleich aussehen. Nach einer Woche auf Mana Island ziehen wir das Resümee, dass es nun auch wieder an der Zeit ist, sie zu verlassen.

By | 2017-07-03T00:06:49+00:00 4. Dez 2016|

4 Kommentare

  1. Aksana Rasch 4. Dezember 2016 um 17:50 Uhr- Antworten

    Ach, da bekomme ich gleich Lust meine Koffer zu packen. Tolle und sehr authentische Fotos. Danke. Aksana

  2. Diana Huth 4. Dezember 2016 um 17:54 Uhr- Antworten

    Toller Post – da träume ich mich gleich zu euch in die nächste Hängematte <3
    Kommt gut nach Hause!

  3. Corinna 7. Dezember 2016 um 17:09 Uhr- Antworten

    Sehr authentisch geschrieben! Und ich kann gut verstehen, wie es euch erging. Es ist einerseits schade, wenn der Tourismus alles kaputt macht, was mal schön war, und andererseits wird er doch auch benötigt und sorgt für eine wichtige Einnahmequelle und Jobs. Auch ein guter Punkt mit der Arbeit, dass man überhaupt mal froh sein sollte, welche zu haben. Manchmal muss man ein bisschen geerdet werden – und ich glaube das wird man sicher nicht, wenn man in den Luxusunterkünften auf Fiji (oder Thailand, Malaysia, wo auch immer) verweilt, wo ihr wieder weggeschickt wurdet. Da kriegt man nämlich leider herzlich wenig mit vom echten Leben auf diesen Inseln oder Ländern.
    Jedenfalls spannender Einblick und trotzdem sehr schöne Bilder! 🙂
    Liebe Grüße,
    Corinna

  4. Itinera Magica 9. Dezember 2016 um 9:58 Uhr- Antworten

    Interessant und ehrlich! ich glaube, ich habe den Traum nie ausgeträumt. Ich denke, so ein faules Leben vor dem Meer könnte ich sehr lange führen, mindestens 6 Monate, vielleicht mehr. Ich bin manchmal so erschöpft von der Welt, es wäre schön, sie vergessen zu dürfen.

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