Dem Paradies ein Stück näher

Um die Insel weiter zu erkunden, machen wir uns von der Hauptstadt Suva Richtung Westen auf nach Nadi. Die Passatwinde sollen lediglich auf der bergigen Südosthälfte der Inselgruppen für häufige Regenfälle sorgen. Für den Transport innerhalb der Hauptinsel und zu den vielen kleineren Inseln stehen dem Reisenden viele Möglichkeiten offen. Wir entscheiden uns gegen Schiff, Flugzeug und klimatisiertem Reisebus und wählen einen kleinen Minibus, jenen, den auch die Einheimischen als bevorzugtes Gefährt nutzen. Natürlich zahlt man als deutlich erkennbarer Fremder den doppelten Preis. Nichts desto trotz ist man für diese mehrstündige Fahrt immer noch günstig unterwegs.
Die Abfahrt richtet sich jedoch nicht nach einem festen Fahrplan. Es geht erst los, sobald jeder Platz des Busses belegt ist. Wirklich jeder Platz. Nach einer Stunde Warten ist dies der Fall. Fijitime!

Raus aus Suva - mit dem Minibus der Einheimischen

Im rasanten Tempo lassen wir dann das rege Hauptstadttreiben hinter uns und die wilde Fahrt in das Landesinnere beginnt. Bergige Gebiete vulkanischen Ursprungs wechseln sich mit von Palmen gesäumten Sandstränden ab. Dazwischen folgt ein kleines Dorf dem nächsten.

Neben diesen beiden Städten besteht die Hauptinseln hauptsächlich aus kleinen Dörfern. Nur wenige davon verfügen über einen kleinen Minimarkt zum Überleben. Die einheimischen Dorfbewohner leben zusammen mit Hühnern, Katzen und Hunden in einfachen Holzhäusern mit Wellblechdächern ohne Fensterscheiben. Die Koch- und Waschstellen befinden sich meist draußen. In den Gärten flattert  bunte Wäsche an den Leinen, darunter spielen Kinder mit Hühnern, Ziegen und Kokosnüssen. In fast jedem Garten raucht der verbrannte Müll und hinterlässt einen giftigen Geruch.

Müll wird in Fidji meißtens verbrannt

Die einheimischen Dorfbewohner führen ein äußerst spartanisches Leben. Jedes dieser Dörfer liegt unter der Herrschaft eines ,Chiefs`. Will man eines besuchen, muss man diesen vorher um Erlaubnis bitten. Auch hier ist das Gastgeschenk in Form von Kava ein guter Tipp. Getrunken wird er dann meist gemeinsam.

Dörfer auf Fidschi

Doch wo lohnt es sich auszusteigen?

Backpackerhostel oder doch eine Nacht im Luxusresort – mehr wäre wohl nicht drin – auf einer der vielen Inseln?

Für den ersten Stop wählen wir auf halber Strecke zwischen Suva und Nadi das kleine Backpackerhostel mit dem vielversprechenden Namen „Beachhouse“. Hier tummeln sich Urlauber, vornehmlich Hippies von jung bis alt, die eigentlich alle das gleiche wollen: Ausschließlich relaxen! Und dazu laden die selbst geknüpften Hängematten zwischen den Palmen direkt am Strand ein. Ja, hier lässt es sich bestens entspannen. Wer seinen Bewegungsradius auch mal weiter von dieser schaukelnden Wohlfühloase bis zur Bar ausweiten mag, der wird spätestens dort von verlockten, braun gebrannten Surferboys dazu animiert, gemeinsam schnorcheln, oder tauchen zu gehen oder am Abend gemeinsam an der Bar zu chillen.
Insgesamt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis hier in Ordnung. Jedoch ist Fiji keineswegs ein Land, welches unbedingt für ein Low- Budget- Portemonnaie geeignet ist.

Beachhouse - Hostel in Fidschi
Kleiner Pool, aber das Meer ist nur 10 Meter weiter
Diese Zimmer sind für uns purer Luxus

An diesem Morgen werde ich sanft von den ersten Sonnenstrahlen umarmt. Alles ist ruhig. Sanft vernehme ich das Rauschen des Meeres, welches sich nur ein paar Meter von der kleinen Hütte entfernt befindet. In diesem Augenblick huscht ein kleiner Gecko an der Wand entlang. Kurz überlege ich, die Jagd nach ihm aufzunehmen, entschließe mich allerdings schnell dagegen. Fijitime. Auch das ist schließlich Fiji. Und auf Fiji wird entspannt.
Am besten lässt sich der Tag an diesem wahrlich paradiesischen Ort mit einem typischen „Beachhouse-Frühstück“, bestehend aus Schwarzem Tee oder Kaffee, Früchten und Toast mit Butter und Marmelade beginnen. Selbstverständlich an einem Plätzchen in der Sonne, nur wenige Meter vom Meer entfernt.
Plötzlich wuschelt eine Hand von hinten durch mein Haar. Ein junger Bursche lässt sich lässig neben mir nieder.
„Ohhh, sorry. I thought you are my friend. Your hair looks exactly the same.“, entschuldigt sich der sympathische Australier. Wir lachen herzlich und er erzählt mir ganze 20 Minuten am Stück von seinem entspannten Leben auf Fiji als – wer hätte es anders erwartet – Surflehrer. Alle, die sich im Beachhouse niederlassen, sind entspannter Natur, oder werden spätestens hier zur Ruhe kommen.

Dem Paradies so nah

Dem Paradies so nah

Da das Beachhouse als kleine Ruheoase für sich von allen größeren Ortschaften abgeschirmt liegt, gibt es hier nicht viel zu erkunden, wie wir bei einem Spaziergang feststellen. Als würde man unsere etwas ratlosen Blicke oder den herum streunernden Gang schon von Weitem ansehen, kommt sogleich ein interessierter Fijianer herbei und fragt uns nach einer herzlichen Begrüßung sogleich, woher wir kommen, wohin wir wollen und wie uns Fiji gefällt. Mir fällt als Ziel nichts anderes ein, als zu gestehen, dass ich auf der Suche nach einem Obststand sei.
„Ohhh, haha.“, lacht der Fijianer, der sich uns als Eddy vorstellt. Hier sei weit und breit nichts. Aber no worries, wir sollten ihm einfach folgen. Gesagt getan.
„Die Fijianer zeichnen sich durch ihre große Herzlichkeit aus.“, erinnere ich mich an die Worte aus einem der vielen Reiseführer Fijis, die ich vor langer Zeit durchstöbert habe. Und dies offenbart sich gerade im emsigen Bemühen dieses Einheimischen, der uns nun Obst besorgen will. Wir erreichen ein kleines Dorf. Zusammen mit Eddy dürfen wir es problemlos betreten, allein als Tourist ist dies nicht selbstverständlich. An einer notdürftig verriegelten Tür bleiben wir plötzlich stehen. Eddy hämmert wild mit beiden Fäusten dagegen und fordert die Innewohnenden lauthals und bestimmt dazu auf, gefälligst die Tür zu öffnen.

Ach herrje, was haben wir uns da nur wieder eingebrockt, fährt es mir durch den Kopf. So wichtig ist mein Wunsch nach Obst doch nun wirklich nicht. Kurze Zeit später öffnet sich die Tür sehr langsam. Ein abgemagerter Hund schlängelt sich geschwind hindurch. Es folgt ein hagerer Blick einer alten, sehr herzlich lächelnden Frau. Eddy stößt sie unsanft beiseite und betritt das Haus. Das Männer den Frauen in diesem Land höher gestellt sind, ist unübersehbar.
Eddy bleibt lange im Haus verschwunden. Tobias und ich stehen unsicher wartend vor der halb geöffneten Tür und blicken stumm in das freundlich, lächelnde Gesicht der alten Frau, die kein Wort sagt. Gerade möchte ich ein Gespräch beginnen, als Eddy mit Bananen und einer Papaya wieder heraus kommt. Er streckt uns die Plastiktüte mit dem Obst entgegen und hält die Hand auf. Wir geben ihm dankend ein wenig Geld.
Dann schließt sich die Tür wieder. Langsam trotten wir zurück zur Hauptstraße zurück, versunken in das traurige Bild der Menschen, die hier in wirklicher Bescheidenheit und Armut leben und der Tatsache, dass Männer und Frauen hier längst nicht gleichgestellt sind.

Das echte Leben der Einwohner auf Fidschi
Einwohner Fidschi

An diesem  Abend locken uns die fernen Klänge der Livemusik vom Strandspaziergang an die Bar.  Es ist ein entspannter Abend. Wir sitzen im Kerzenschein unter Palmen und lassen den Abend bei Wein und Bier ausklingen. Mein Blick ruht am Horizont am Meer. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein, jetzt und hier an diesem Ort am anderen Ende der Welt zu sein.

Doch so ganz gestillt ist meine Sehnsucht nach Sonne, Strand und Palmen am türkis-blauen Meer noch immer nicht. Wollen wir noch ein bisschen weiterziehen? Oder ist der Fiji Südseetraum bereits ausgeträumt?