Nordinsel Neuseeland Hobbiton

Auf der Nordinsel Neuseeland ´s

Wir lassen die Südinsel hinter uns. Die Fjordlandschaft mit kleinen Segelboten in einsamen Buchten, die grünen Berge und kleinen bunten Holzhäuser, die sich wie Vogelnester im Wald verbergen, all dies gleitet mehr und mehr in die Ferne. Vor unseren Augen erstreckt sich nur das offene Meer. Ich genieße den Wind, der mir auf dem Fährdeck um die Ohren pustet. Und da kann ich es in der Ferne sehen: neues Land. Neuseelands Nordinsel!

Fähre zu der Nordinsel Neuseeland

Bunt, sportlich, schräg – Wellington

Wir stürzen uns als erstes in die Hauptstadt Wellington. Eine Stadt voller Gegensätze. Nach so langer Zeit inmitten der Natur kann einen das Stop and Go auf den Straßen der Innenstadt schon Nerven rauben. Statt tiefgrünen Bergen ragen nun Hochhäuser in den Himmel. Doch hektisch ist diese Stadt keineswegs. Zu Fuß ist es am nächsten Morgen so viel angenehmer, alles zu erkunden. Besonders die Hafengegend, sowie die Cuba Street haben es mit in ihrer Lebendigkeit angetan. Hier tummelt sich die alternative Hippieszene Wellingtons, verkaufen Vintagemode in Containern. Alles ist bunt, hip und sportlich.

Die Hauptstadt Neuseelands wird nicht ohne Grund mit dem Titel der ,Kunst- und Kulturhauptstadt` gekrönt. Das Te Papa Museum ist sowohl für Jung, als auch für Alt ein Highlight der Erlebniswelt. Anschließend bummeln wir weiter durch die bunten Häusergassen, die der Villa Kunterbunt ähneln.

Wem bis jetzt noch nicht aufgefallen ist, dass die Neuseeländer sportlich sind, dem wird dies spätestens in Wellington klar. Hier wird gerudert, gelaufen, geklettert, gejoggt und geschwommen. Mütter schieben hier nicht ihre Kinderwägen durch die Gegend, nein sie flitzen sportlich durch die Straßen. Es scheint, als versprühe Wellington eine solch große Energie, dass sich ihr keiner entziehen könne. Und auch mich kribbelt´s sogleich in den Beinen. Doch die Zeit ist begrenzt und noch so viele Orte und Sehenswürdigkeiten wollen erkundet werden. So geht die Fahrt weiter.

Doch was ist nur los mit unserer anfänglichen Euphorie?

Während wir auf der Südinsel noch voller Begeisterung die Bilderbuchlandschaft in uns aufsogen, zieht sie auf der Nordinsel eher passiv an uns vorbei. Kein Freudenschrei der Begeisterung mehr hinter jeder neuen Kurve, keine offenen Augen und Münder bei der nächsten landschaftlichen Schönheit. Da folgt ein Wasserfall, ein Bushwalk, eine Touristenattraktion, ein weiterer als ,besonders schön` angepriesener Aussichtspunkt dem nächsten, doch innerlich mag es uns einfach nicht mehr wirklich berühren.
Still ist es geworden. Zu viele Eindrücke sind in den letzten Wochen auf uns niedergeprasselt. Vielleicht waren es auch ein paar Nächte zu viel mit zu wenig Schlaf. Ich weiß es nicht, doch sind wir uns langsam aber sicher einig: ein sechswöchiger Roadtrip ist einfach zu lang für uns. Fast schämen wir uns dafür, all der Schönheit nicht mehr ehrlich gerecht werden zu können.

Nordinsel Neuseeland Straße

So fahren wir eher gedankenverloren über Napier und Gisborne entlang der Ostküste hinauf zur Bay of Plenty.

Sehnsucht nach Meer

Die kleine Stadt Opotiki liegt direkt am Meer. Es ist kein besonders außergewöhnlicher Ort, doch übt er in diesem Moment eine solch magnetische Anziehungskraft unter meinen nackten Füßen im kalten Sand aus, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Nur schweren Herzens kann ich mich vom Anblick des Meeres und der untergehenden Sonne trennen. In meinem Innern wächst der Wunsch, hier für immer zu bleiben. Gar wehmütig wende ich meinen Blick vom Meer ab, was mich förmlich ruft und das wundervolle Gefühl von tiefer Ruhe und Liebe in mir auslöst.

Nordinsel Neuseeland Sonnenuntergang am Meer

Singend fahren wir weiter. In Rotorua brodelt nicht nur Schlamm und Schwefel, sondern auch die hitzige Energie der Maori, der Ureinwohner Neuseelands. Weiter geht die Fahrt durchs geothermische Land zum nächsten angepriesenen Touristenziel.

Moari Kultur Neuseeland

Hoch oben raucht der Vulkan

Warum hat der Tongariro Alpine-Crossing (gilt als bester eintägiger Wanderweg der Welt!) eigentlich einen festen Start- und Endpunkt?
Wir wagen es anders herum und starten vom Endpunkt. Aber schon bald müssen wir feststellen, dass es einen Grund hat, dass hier alle Wandersleute nur in eine Richtung laufen. Denn anders herum kommt dir alle zwei Minuten ein Wanderer entgegen. Und wie begeisterte Wanderer und ebenso manch echter Kiwi nun mal sind, lassen sie es sich zu keiner Zeit nehmen, offen auf die Menschen, die ihnen begegnen zuzugehen. Nach den üblichen Floskeln „Hi, how are you? Where are you from? Where will you go next?“, folgt meist ein sehr nettes Gespräch. Zum Wandern gegen den Strom sollte man also viel Zeit mitbringen.
Auf Trampelpfaden geht es bergauf und bergab. Durch Heidewälder, Palmenwälder, karger vulkanischer Landschaft, entlang türkisblauer Katerseen, hoch hinauf zum Vulkan. Hier erwartet uns ein atemberaubender Anblick der dunkelsten Farben und unter unseren Füßen spüren wir immer stärker die Wärme des aktiven Vulkans, der fröhlich vor sich hin qualmt. Sein Betreten ist hier auf eigene Gefahr, warnt uns ein Schild.

Kratersee auf einem Vulkan in Neuseeland

Doch auf einmal begegnet uns auf dem Weg niemand mehr. Na nu, wo sind sie denn auf einmal alle verschwunden, fragen wir uns? Und plötzlich war sie da, die Dunkelheit. Aus lauter Begeisterung für die vulkanisch aktive Landschaft, die wir hier unter unseren Füßen spüren, haben wir komplett die Zeit vergessen. Und mit der Dämmerung setze auch der Regen ein. So schnell uns unsere müden Füße nach den 14 Km des Hinweges noch tragen konnten, machen wir uns auf den Rückweg zum Auto. Die kleinen Fußpfade wandeln sich in Bäche. Hätten wir keine Taschenlampe dabei gehabt, hätte dieser Ausflug nicht so glimpflich ausgehen können. So mancher Felsbrocken rutschte unter unseren Füßen hinab in die Tiefen. Doch am Ende dieses aufregenden Wandertages verkrümeln wir uns klatschnass und vor Kälte bibbernd und erschöpft im Kofferraum, heil froh, den Rückweg gefunden zu haben.

Doch irgendwann sind wir nur noch müde von den Sehenswürdigkeiten. Keine Glühwürmchenhöhle (Waitino Caves), kein Hobbitland (das Filmset Hobbiton des Herrn der Ringe befindet sich im unscheinbaren Ort namens Matamata und kann für 75$ pro Person besichtigt werden) kann unsere müden Augen mehr zum leuchten bringen.

Wir sind uns einig: viel schöner als alle Touristenhighlights des Reiseführers sind jene kleinen Kostbarkeiten, die wir täglich draußen unerwartet auf dieser Reise erleben dürfen.

Das große Herz der Kiwis

Nichtsahnend sitzen wir an diesem frühen Abend auf einer Picknickbank mit Blick aufs Meer an der Westküste Coromandels. Wie fast jeden anderen Abend auch köcheln auf dem kleinen Gaskocher, Nudeln mit Tomatensauce.
Als vor uns eine lebhafte Familie versucht, sämtliches Hab und Gut an Kindern und Dingen eines gelungenen Strandtages ins Auto zu verfrachten. Es stellt sich als ein hoffnungsloser Versuch dar. Wir können uns irgendwann das Schmunzeln nicht mehr verkneifen. Der hyperaktive Familienvater schenkt uns ein warmes Lächeln und gibt zu, dass er entweder zu viel Zeugs oder zu viele Kinder für dieses kleine Auto hat. Und als wäre es das normalste dieser Welt, schreibt er uns gleich noch seine private Telefonnummer auf und lädt uns am nächsten Tag zum Kaffee ein, wir wären solch lustige Gesellen. Ebenso, denke ich mir und weiß vor lauter Sprachlosigkeit kaum mehr als ein lächelndes Danke hervorzubringen. Im nächsten Moment schließen sich sämtliche Autotüren und hupend und aus allen Fenstern wild winkend verabschiedet sich diese lustige Familie von uns.

Ja, besonders die Halbinsel Coromandel entzückt uns auf der Nordinsel zum Ende der Reise mit so manchen kleinen Highlights. Neben einer wunderschönen Küstenstraße ist auch die Cathedral Cove einen Besuch wert. Nur über einen einstündigen Wanderweg erreicht man sie versteckt, an der Westseite Coromandels – ein absolut mystischer Ort, an dem Liebeshungrige bis zum nächsten Morgen in der Steinhöhle auf den Sonnenaufgang warten.

Das Meeresrauschen erweckt in mir an diesem Morgen noch größeres Fernweh. Was gibt es heilsameres, als sich inmitten der Natur zuhause zu fühlen? Und doch neigt sich unser Roadtrip durch Neuseeland langsam dem Ende zu.
Geschwind schlüpfe ich in den noch feuchten und nach Salzwasser riechenden Bikini und laufe die wenigen Meter die Dünen der Steilküste hinunter zum Meer. Vielleicht wird es das letzte morgendliche Bad im Meer sein..

Flip Flops Nordinsel Neuseeland

Auckland von oben

In der größten Stadt Neuseelands angekommen sind wir regelrecht erschlagen von der Reizüberflutung, die sich uns hier bietet.
Eigentlich liebe ich es durch Städte zu bummeln und mich treiben zu lassen, all die neue Inspiration in kreative Gedanken umzuwandeln. Doch während dieser Reise muss ich zunehmend feststellten, dass größere Städte zwar durchaus ihre Reize haben, doch auch eine sehr ermüdende Wirkung haben können. Aller Konsum wird spätestens hier zum Überfluss. Bleibt dir nicht mehr als der begrenzte Platz in deinem Backpackingrucksack, wirst du dir auch nicht mehr wünschen. Und zum Glücklichsein erst Recht nicht.
So fühlten wir uns beide wohler, ausgeglichener und so viel ruhiger in der Natur. Wir kehren dem Großstadtgetümmel Aucklands den Rücken und fahren hinauf zum Mt. Eden, einem längst erloschenen Vulkan. Von hier aus erwartet uns ein traumhaft schöner Blick über die ganze Stadt, die langsam im Glanz der untergehenden Sonne verschwimmt. An diesem Ort tummeln sich Gleichgesinnte von jung bis alt, die bei Picknick und Wein so lang beisammen sitzen, bis nur noch die Lichter der Großstadt unter ihnen funkeln und daran erinnern, dass abseits dieser Idylle auch das Großstadtleben ruft.

Auckland Nordinsel Neuseeland

Auckland bleibt mir als eine sehr hektische Stadt in Erinnerung, in der vieles möglich ist, uns beide persönlich jedoch nicht zum längeren Verweilen einlädt.

Mit einem Ende beginnt ein neuer Anfang

Am nächsten Tag geben wir unser Auto, recht dankbar ab und machen uns nun im Bus auf den Weg gen Nordosten der Insel. In Russel, einem kleinen verschlafenen Ort auf der Nordinsel Neuseelands, endet dieses Abenteuer. Und zugleich beginnt hier ein neues.

Ein Pärchen auf Reisen in Neuseeland

Nordinsel Neuseeland – Meine Reisehighlights

  • Wellington
  • Rotorua
  • Tongariro Alpine-Crossing
  • Coromandel (Cathedral Cove)
  • Matamata (Hobbiten) – kein Muss
  • Auckland
  • Bay of Islands
  • Cape Reinga
  • Gingernut Kekse – einfach die besten :-)